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Kürbis

kuerbis1
Cucurbita pepo L. convar. citrullina GREB. var. styriaca GREB.
Steirischer Ölkürbis
Feldkürbis, Gartenkürbis, Ölkürbis
Seed

Der Kürbis ist die am längsten verwendete Droge zur symptomatischen Behandlung der Prostatahyperplasie und eignet sich gut zur Langzeitanwendung, da Nebenwirkungen auch bei längerer Einnahmedauer bisher nicht beschrieben wurden und Kürbissamen bzw. Kürbiskernöl auch eine diätetische Bedeutung besitzen [1].

 

Botanik


Die einjährige Kürbispflanze wächst in Ranken, die mehrere Meter lang werden können. Die Stängel ranken über den Boden, können aber bei entsprechender Gelegenheit auch klettern. Die Stängel sind scharfkantig, längs gefurcht, stachelig behaart, 5-kantig und hohl. Die Blätter sind sehr groß, gestielt, aus herzförmigem Grund fünflappig und borstig behaart. Die getrenntgeschlechtlichen Kürbisblüten mit trichterförmiger Korolle sind leuchtend gelb und auffällig und stehen einzeln in den Blattwinkeln. Die riesigen kugeligen Früchte sind Beeren, welche viele glatte Samen enthalten, die medizinisch genutzt werden. Die Ausbildung der Samenschale bei Cucurbita pepo ist sehr verschieden. Man unterscheidet zwei Grundtypen, die Übergänge oder Abwandlungen zeigen können: Formen mit harter, gelblichweißer Samenschale und Formen mit weicher, grüngefärbter Samenschale.
„Cucurbita“ kommt von den lateinischen Wörtern „cucumis = Gurke“ und „orbis = Erdkreis“ und verweist auf die Form der Frucht. Das griechische „pepo“ bedeutet „reif, weich, mürbe“ und bezieht sich auf die Konsistenz der Frucht [2,3].

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Droge

Für die Kürbissamen (Cucurbitae semen) liegt eine Positiv-Monographie der Kommission E vor. Der Trockenextrakt mit einem Drogen-Extrakt-Verhältnis von 15 – 30:1 und 60 % Ethanol als Extraktionsmittel läuft gemäß European Medicines Agency (EMA) unter der Kategorie „traditional use“.
Zur therapeutischen Anwendung empfiehlt sich ausschließlich der Einsatz von Spezialzüchtungen (Cucurbita pepo L. convar. citrullinina GREB. var. styriaca GREB.) in Form von Fertigarzneien, da sonst keine ausreichenden Wirkstoff¬konzentrationen erreicht werden und die einzelnen im Handel befindlichen Kürbissorten sich deutlich im Spektrum der wirksamkeitsmitbestimmenden Inhaltsstoffe unterscheiden. Dies ist in erster Linie der Grund für die kontroverse Diskussion zur Wirksamkeit von Kürbissamen.
Kürbisse lieben einen sonnigen Standort und werden im September und Oktober geerntet. In Südtirol wird Cucurbita pepo sogar bis 1000 m Höhe kultiviert.
Kürbissamen besitzen einen ölig-süßlichen Geschmack [3,4].

 

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Bestandteile


Die Art und Menge der im Samen enthaltenen Inhaltsstoffe sind stark abhängig von der Sorte, vom Standort und dem Anbaujahr [5,6].

•    Die Samen enthalten ca. 1 % Phytosterole, vor allem δ-7-Sterole, aber auch δ-5- und δ-8-Sterole sowie deren Glykoside.
•    Fettes Öl (35 bis 53 %) mit 14 bis 15 % Palmitinsäure, 2 bis 7 % Stearinsäure, 15 bis 48 % Ölsäure, 35 bis 64 % Linolsäure, 0,2 bis 5 % Linolensäure und 0,3 % Arachidonsäure.
•    Kohlenhydrate (6 bis 10 %)
•    Proteine (25 bis 42 %)
•    Rohfasern (4 bis 6 %)
•    β- und γ-Tocopherol (385 bis 483 mg pro kg Öl) (= Vitamin E)
•    seltene Aminosäuren wie die cyclische nichtproteinogene Aminosäure Cucurbitin (= 3-Amino-3-carboxypyrrolidin)
•    Carotinoide wie β-Carotin und Lutein
•    Spurenelemente wie Mangan, Zink, Kupfer, Magnesium und besonders Selen (bis zu 0,5 µg/g Samen)

Traditionell


Archäologischen Funden zufolge gehört der Kürbis zu den ältesten Kultur- und Nahrungspflanzen Amerikas (Mexiko und Texas). Verschiedene Kürbissorten wurden schon vor rund 8000 Jahren von den Ureinwohnern Perus und Mexikos kultiviert. Im 16. Jahrhundert tauchte der Kürbis in Europa auf, zunächst auf dem Balkan, in der Türkei und in Italien. 1523 wurde er erstmalig in Europa im Kräuterbuch Leonhard Fuchs beschrieben. Dabei handelte es sich um zwei unterschiedliche Kürbissorten, von denen eine unser Cucurbita pepo war. Durch Züchtung wurden die Bitterstoffe herausselektiert. Die Folge waren weitere Zuchtformen. Anfang des 18. Jahrhunderts kam der Kürbis auch nach Frankreich und England. Hieronymus Bock beschreibt bereits die vielseitige Verwendung von Kürbissamen als Konfekt und zur Unterstützung der Blasenfunktion. Laut Matthiolus und Lonicerus werden die Kürbiskerne bei innerem Gebrechen, Nierenentzündungen, Lebersucht, Harnwinde und Blasenleiden verwendet. Zudem wurden die Kerne zur „Wachstumsanregung des frischen Fleischs“ in Wunden eingestreut [2,7].

 

Verwendung


Die Monographie der Kommission E empfiehlt Kürbissamen oder entsprechende Zubereitungen bei der Indikation Reizblase, Miktionsbeschwerden bei Prostataadenom im Stadium I bis II nach Alken. Dazu gehören Probleme beim Wasserlassen wie schwacher Harnstrahl, Nachtröpfeln, Restharnbildung (das Gefühl, dass die Blase nicht richtig leer wird) und häufiger Harndrang sowohl tagsüber als auch nachts. Im fortgeschrittenen Stadium kommen durch eine Begleitentzündung der Prostata bzw. Blase Schmerzen beim Wasserlassen hinzu.
Durch die Inhaltsstoffe der Kürbissamen werden der Detrusor gestärkt, der Blasentonus reguliert und die Austreibungskraft gesteigert. Wie klinische Studien zeigen, ist auch bei Enuresis nocturna und diurna (nächtliches Einnässen und Einnässen tagsüber) ein Therapieversuch mit Kürbissamen sinnvoll.
Darüber hinaus konnte die positive Wirkung auf die Prostata in Zellkulturen nachgewiesen werden [8].
In der Volksheilkunde wurden Kürbissamen auch bei Darmparasiten, besonders bei Spul- und Bandwürmern, sowie äußerlich zur Wundheilung eingesetzt [9–11].

 

Dosierung


Die durchschnittliche empfohlene Tagesdosis liegt bei 10 g Samen (laut EMA: 2,5 bis 7,5 g; 2 x täglich) bzw. Zubereitungen entsprechend. Meist in Form von wässrig-ethanolischen Extrakten mit unterschiedlichen Drogen-Extrakt-Verhältnis.
Für den Trockenextrakt mit einem Drogen-Extrakt-Verhältnis von 15-30:1, und 60 % Ethanol (v/v) als Extraktionsmittel, gilt laut EMA (European Medicines Agency, EMA/HMPC/136024/2010) eine Dosierung von 105 mg Extrakt 3 x täglich oder 152 mg Extrakt 2 x täglich. Für den Softextrakt mit einem Drogen-Extrakt-Verhältnis von 15-25:1, und 92 % Ethanol (m/m) als Extraktionsmittel wird eine Dosierung von 500 mg Extrakt 2 x täglich empfohlen [4].

Die Wirkung von Kürbissamen tritt erst nach einigen Wochen ein, weshalb die Anwendung über mindestens 6 – 9 Monate erfolgen sollte.

 

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Sicherheit


Unerwünschte Wirkungen

Spezifische Nebenwirkungen von Kürbissamenzubereitungen sind nicht bekannt. In 30 klinischen Studien, bei denen Kürbissamen enthaltende Prüfpräparate an insgesamt 15801 Patienten untersucht wurden, traten in 66 Fällen (0,5 %) gastrointestinale Störungen, wie z.B. Sodbrennen, Magenbeschwerden, Übelkeit als unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf. Die Magen-Darmbeschwerden klangen meist, trotz weitergeführter Medikation, innerhalb von wenigen Tagen ab [10].

Gegenanzeigen/Anwendungsbeschränkungen

Es sind keine Gegenanzeigen oder Anwendungsbeschränkungen bekannt.

Hinweis: Kürbissamen und Zubereitungen daraus bessern lediglich Beschwerden bei einer vergrößerten Prostata, ohne die Vergrößerung selbst zu beheben. Daher ist eine regelmäßige Kontrolle durch den behandelnden Arzt erforderlich, um ein schleichendes Fortschreiten der Erkrankung rechtzeitig zu erkennen [10].

Wechselwirkungen

Es sind keine Wechselwirkungen bekannt [10].

Toxikologie

Kürbissamen sind ungiftig. Sie enthalten weder Cucurbitacine noch ein anderes toxisches Prinzip [10].

Pharmakologie

Wirkungen

•    prostatotrop über endokrine Wirkmechanismen (Hemmung der 5-α-Reduktase mit Blockierung der Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) und Hemmung der Bindung von DHT an zelluläre Rezeptoren)
•    antiphlogistisch im Prostatagewebe
•    antioxidativ
•    zellwachstumshemmend (unabhängig von Steroidhormonrezeptoren)
•    blasenkräftigend (Stärkung des Musculus detrusor vesicae = „Austreiber der Harnblase“)
•    diuretisch (aquaretisch)
•    antimikrobiell


Die 4 wichtigsten Wirkunge sind:

Kürbissamensterole bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) [12,13]
Nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens ist für das proliferative Geschehen in der Prostata nicht das Testosteron, sondern das Dihydrotestosteron (DHT) verantwortlich, das sich in der Prostata anreichert. DHT-Werte sind häufig 4 bis 6-fach erhöht. So deuten erste Untersuchungen mit isolierten Δ7-Sterolen an Patienten mit BPH sowie an menschlichen Zellkulturen darauf hin, dass die in Kürbissamen enthaltenen Δ7-Sterole, die eine hohe Affinität zum menschlichen Prostatagewebe zeigen, in der Lage sind, die Bindung des DHT an zelluläre Rezeptoren zu hemmen, DHT-Konzentrationen im Prostatagewebe zu vermindern und verschiedene prostatische Stoffwechselparameter (z.B. saure Phosphatase, prostataspezifisches Antigen) zu normalisieren.
Prostatapatienten erhielten das aus Kürbissamen isolierte Δ7-Sterolgemisch in Hartgelatinekapseln (je 90 mg) 3 bis 4 Tage vor der offenen Prostataektomie per oral verabreicht. Bei den Patienten wurde sowohl im Serum als auch im Prostatagewebe der Gehalt an Testosteron, SHBG (sexualhormonbindendes Globulin), PSA (prostataspezifisches Antigen) und saure Phosphatase gemessen. Die DHT-Menge und die Δ7-Sterole wurden dagegen nur im Prostatagewebe bestimmt. Die biochemischen Messwerte im operierten Prostatagewebe wurden mit einer gleich großen Patientengruppe verglichen, die vor der Operation keine Δ7-Sterole aus Kürbissamen erhalten hatten. Im operierten Prostatagewebe der mit Sterolen behandelten Gruppe waren die ermittelten DHT-Werte signifikant niedriger (0,94 ng/g Gewebe) als bei der Kontrollgruppe (1,28 ng/g Gewebe). Schon 24 Stunden nach Einnahme der Kürbissamensterole sank im Serum der behandelten Patienten der Gehalt an saurer Phosphatase und an PSA, wogegen die SHBG-Werte im Serum im Beobachtungszeitraum keine signifikanten Veränderungen aufwiesen.
In fünf von acht untersuchten Operationsproben konnten außerdem Δ7-Sterole nachgewiesen werden [12,13]. Als zelluläres Testsystem wurden menschliche Fibroblasten verwendet, die man vor Zugabe von DHT 24 Stunden lang mit dem isolierten Δ7-Sterolgemisch vorinkubiert hatte [14]. Der Gehalt an DHT im zellfreien Überstand wurde dann mittels Radioimmunassay bestimmt. Es wurde dosisabhängig eine signifikant niedrigere DHT-Bindung an die Zellen festgestellt. Zellproliferationen, die schon stattgefunden hatten, konnten nicht mehr rückgängig gemacht werden.


Antiphlogistisch durch Radikalfängereigenschaften
Das fette Öl des Kürbissamens mit bis zu 64 % Linolsäure enthält antiphlogistisch wirksame Tocopherole (= Vitamin E) und Carotinoide. Zudem ist in hohem Maße Selen (Bestandteil der Glutathionperoxidase) vorhanden. Aufgrund der Tocopherole und des Selens kann auch eine antioxidative Fähigkeit angenommen werden.

Hemmung des Zellwachstums
Ein 60%ig ethanolischer Extrakt aus Cucurbita pepo L var. styriaca zeigte in vitro bei Prostatakrebszellen, Brustkrebszellen, colorektalen Adenokarzinomzellen und bei einer hyperplastischen (Zellen mit vermehrter Zellteilung) Zelllinie von benignen Prostatagewebe eine Steroidhormonrezeptor (Androgen-, Östrogen- und Progesteronrezeptor) unabhängige Hemmung des Zellwachstums von 40 – 50 %. Durch das Fehlen der androgenen Aktivität wird erneut die sichere Langzeitanwendung bei Männern mit benigner Prostatahyperplasie bestätigt [8].

Kräftigung von Bindegewebe und Muskulatur
Die in den Kürbissamen enthaltenen Spurenelemente wie Zink, Kupfer und Magnesiumsalze bewirken eine Verbesserung der neuromuskulären Funktionen.

Klinische Studien


In den 70er- und 80er-Jahren wurde in zahlreichen klinischen Studien die Wirksamkeit von Extrakten aus Kürbissamen zur Behandlung der benignen Prostatahyperplasie untersucht. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse beschränkten sich größtenteils auf traditionelle Anwendungen, offene Studien und Untersuchungen mit Kombinationspräparaten. Die zum Teil widersprüchlichen Ergebnisse dieser Studien sind durch die Variabilität der Zusammensetzung und mangelnde Standardisierung der eingesetzten Phytopharmaka und häufig zu kurze Therapiedauer bedingt [15]. Es liegt also in der Natur von Pflanzenextrakten und an dem jeweiligen Extraktionsverfahren, dass die Wirkungen zweier aus derselben Pflanze gewonnene Extrakte nicht notwendiger Maßen gleich sind. Deshalb muss für jedes Phytopräparat eine separate Bewertung erfolgen, was jedoch zumindest in Teilen relativiert werden könnte, wenn eine übergreifende Standardisierung der Produkte vorhanden wäre.
Nachfolgend werden klinische Studien besprochen, die nur mit charakterisierten Kürbissamen-Monopräparaten durchgeführt wurden. Die eingesetzten Extrakte stammten alle aus den Samen von Cucurbita pepo L. convar. citrullinina GREB. var. styriaca GREB.

 

Klinische Untersuchungen bei Männern mit benigner Prostatahyperplasie:

In einer placebokontrollierten, multizentrischen (65 urologische Praxen), randomisierten Doppelblindstudie wurde die Wirksamkeit eines Kürbissamen-Monopräparates zur Therapie von Miktionsbeschwerden bei Patienten mit einer benignen Prostatahyperplasie über einen Zeitraum von 12 Monaten (Juni 1996 bis Juli 1997) untersucht [16]. Eingesetzt wurde ein alkoholischer Dicksaft aus Kürbissamen (DEV: 15-25:1; Auszugsmittel: 92 % Ethanol). In die Studie eingeschlossen wurden Patienten (Verum: 233 Männer, Durchschnittsalter 62,9 Jahre; Placebo: 243 Männer, Durchschnittalter 63,2 Jahre) mit einem Internationalen Prostata-Symptomen-Score (IPSS) von mindestens 13 Punkten. Die Verumdosis bestand aus 2 Kapseln/Tag (je 500 mg Extrakt entsprechend 7,5-12,5 mg Kürbissamen). Hauptzielparameter war die Miktionssymptomatik, die anhand des IPSS beurteilt wurde. Zusätzlich wurden Daten zur Miktionsfrequenz, Uroflow, Restharnvolumen und Prostatagröße erhoben sowie hämatologische und biochemische Parameter gemessen, Urinanalysen, körperliche Untersuchungen, Blutdruck- und Herzfrequenzmessungen durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte jeweils nach 1, 3, 6, 9 und 12 Monaten. Der Anteil der Responser (Reduktion des IPSS von mindestens 5 Punkten) betrug in der Verumgruppe 65 % und in der Placebogruppe 54 %. Ausgehend von einem IPSS von 17,6 (Verumgruppe) bzw. 17,7 Punkten (Placebogruppe) kam es bei den mit Verum behandelten Patienten zu einer Reduktion des Score-Wertes um 6,6 Punkte auf 10,9 (Verbesserung: 38 %), während bei den mit Placebo therapierten Männern nur ein Rückgang um 5,5 Punkte auf 12,2 (Verbesserung: 31 %) beobachtet wurde. Nach Ablauf von 6 Monaten zeigte sich bei der Placebogruppe keine weitere Verbesserung des IPSS, hingegen reduzierte sich der IPSS-Wert bei der Verumgruppe bis zum 12. Monat kontinuierlich. Die Differenz der beiden Behandlungsgruppen war in der Intention-to-treat-Analyse signifikant. Die zwölfmonatige Behandlung mit dem Kürbissamenpräparat führte im Vergleich zur Placebotherapie zu einer statistisch signifikant niedrigeren Miktionsfrequenz bei Tag. Bei den Labor- und Vitalparametern zeigten sich über den gesamten Studienzeitraum zwischen Palcebo- und Verumgruppe keine signifikanten Unterschiede. Insgesamt erwies sich die Therapie mit dem Prüfpräparat als gut verträglich. Unerwünschte Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet [16].


In einer Langzeit-Anwendungsbeobachtung über drei Jahre wurde bei 2245 Patienten mit BPH im Stadium I bzw. II die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer jeweils dreimonatigen Therapie mit oben beschriebenem ethanolischen Kürbissamendickextrakt untersucht [17]. Die meisten Patienten (77,3 %) erhielten 1 bis 2 Kapseln täglich, wobei eine Kapsel 500 mg des Extraktes enthielt. Von den Patienten wiesen 43 % BPH im Stadium I und 52 % im Stadium II auf. Das Alter der Patienten bewegte sich im Bereich von 20 bis 90 Jahren. Während 88 % der Patienten unter 50 Jahren unter einer BPH im Stadium I litten, überwog bei den 80-jährigen das Stadium II. In der mittleren Altersgruppe (50-80 Jahre) war die Verteilung in etwa gleich. Zur Beurteilung der Wirksamkeit des Extraktes wurde durch den Arzt vor und nach der Therapie der IPSS bestimmt. Zusätzlich wurde durch Bestimmung des Lebenqualitätsindex (LQ-Index) die subjektive Beurteilung der verminderten Lebensqualität durch Harntraktsymptome ermittelt. Diese subjektive Bewertung erfolgte nach einem Punktesystem von 0 bis 6 (ausgezeichnet bzw. sehr schlechte Bewertung). Zusätzlich wurde die Miktionshäufigkeit am Tag und in der Nacht ausgewertet. Unter der Therapie mit dem Kürbissamenextrakt wurde eine signifikante Verbesserung der Symptome beobachtet. Der IPSS-Gesamtscore nahm um 41,4 % von 18,64 Punkten zu Behandlungsbeginn auf 10,94 Punkte bei Therapieende ab. Besonders deutlich war die Abnahme des IPSS bei Patienten mit erstmaliger Diagnose der BPH mit 45,6 %, während bei länger bestehender Erkrankung und bei Patienten mit BPH im Frühstadium II eine Verringerung um 37,8 % bzw. 38,1 % registriert wurde. Im Detail gaben 55,2 % der Patienten einen kräftigeren Harnstrahl, 50 % vermindertes Nachträufeln und 52 % weniger Schmerzen, Brennen, Druck und Spannung beim Wasserlassen an. Viele Patienten bezeugten eine verbesserte Lebensqualität unter Verum. Bei Patienten mit erstmaliger Erkrankung wurde eine stärkere Abnahme des LQ-Index beobachtet (56,6 %) als bei solchen mit länger bestehenden Beschwerden (42,3 %) oder Patienten mit einer BPH im Stadium II (41,0 %). Die Miktionsfrequenz nahm innerhalb der ersten 4 Wochen tagsüber von 6,7 auf 5,2 und nachts von 2,7 auf 2,1 ab. Sie betrug am Ende der 12-wöchigen Therapie 4,8 am Tag und 1,1 in der Nacht. Die Therapie mit dem Kürbissamenpräparat wurde gut vertragen, lediglich in Einzelfällen klagten die Patienten über gastrointestinale Nebenwirkungen wie Sodbrennen, Magenbeschwerden, Übelkeit [17,18].


Erst kürzlich (2015) wurde eine randomisierte, teilweise verblindete, Placebo-kontrollierte Parallelgruppenstudie (GRANU – The German Research Activities on Natural Urologicals) mit dem Ziel, die Wirksamkeit von Kürbissamen bei Männern mit gutartiger Prostatahyperplasie (BPH) zu untersuchen, durchgeführt. Insgesamt bekamen 1431 Männer (50 – 80 Jahre) entweder Kürbiskerne (5 g zweimal täglich), Kapseln mit einem Kürbissamenextrakt (500 mg zweimal täglich; Extraktionsmittel: 92 % Ethanol; DEV: 15 – 25:1) oder Placebo. Als primäres Ziel galt eine Abnahme des IPSS (International Prostate Symptom Score) von ≥ 5 Punkten vom Ausgangswert nach 12 Monaten. Als sekundäre Endpunkte wurden die Lebensqualität und die im Tagebuch erfasste nächtliche Blasenschwäche herangezogen. Nach 12 Monaten kam es insgesamt zu einer klinisch relevanten Reduktion der Symptome (gemessen am IPPS) im Vergleich zu Placebo bei Männern mit einer gutartigen Prostatahyperplasie [19].
Außerdem wurde die Auswirkung von Teezubereitungen aus Kürbissamen (pepokabo-cha) auf die nächtliche Blasenschwäche (Nykturie) und das Schlafverhalten in einer klinischen Studie mit 25 älteren Patienten untersucht. Die Studie umfasste 2 Phasen: ein Screening (1 Woche Wasser) und einen Behandlungszeitraum (3 Wochen pepokabo-cha). Als Folge sank die mittlere Anzahl des nächtlichen Harnlassens signifikant von 2,23 ± 0,77 während der Screening-Phase auf 1,30 ± 0,51 nach der dritten Behandlungswoche (p<0,01). Insgesamt war das Harnlassen (Harnfluss, Restharngefühl, Nachtröpfeln) während der Behandlungszeit besser als in der Screeningphase. Darüber hinaus wurde die Schlafzufriedenheit besser beurteilt. Diese Studie zeigte wiederum, dass die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe in den wässrigen Zubereitungen zu finden sind, und daher wässrig-ethanolische Extrakte (idealerweise mit 60 % Ethanol (v/v) extrahiert) dem Öl vorzuziehen sind [20].

Klinische Untersuchungen zu Blasensteinbildung:
Der Einfluss von Samen einer nicht näher spezifizierten Kürbisart auf das Auftreten von Oxalsäurekristallen im Urin wurde an 20 Jungen im Alter von 2 bis 7 Jahren aus einem hyperendemischen Bezirk der Ubol-Provinz in Thailand, im Vergleich zu den Effekten einer Orthophosphatgabe, untersucht [21]. Die Kinder zeigten als Vorläufersymptom für eine Blasensteinerkrankung einen trüben bzw. wolkigen Urin, Miktionsschmerzen und eine Unterbrechung des Harnflusses gegen Ende des Wasserlassens und zum Teil Hämaturie nach mehreren Miktionsversuchen. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt, wobei, zusätzlich zur normalen Kost, die eine Gruppe (G1) frisch geschälte und dann geröstete Kürbissamen und die andere (G2) eine Orthophosphat-Ergänzung erhielt. Beide Supplementierungen wurden jeweils in einer Dosierung verabreicht, die einer Phosphatzufuhr von 60 mg/kg KG pro Tag entsprach. Die Studie wurde zeitlich in vier Perioden geteilt: Periode1: Alle Kinder erhielten 3 Tage lang ausschließlich Normalkost in unkontrollierter Menge. Periode 2: Alle Kinder erhielten für 2 Tage ausschließlich einheimische pflanzliche Kost, deren Mengenaufnahme streng kontrolliert wurde. Dabei erhielten die Kinder Reis (Amaranthus gangeticus L.) in einer Menge, die der Aufnahme von 5 mg Oxalsäure/kg KG pro Tag entsprach. Periode 3: Die Kinder erhielten, zusätzlich zur normalen Kost, 2 Tage lang entweder Kürbissamen-Ergänzung oder Orthophosphat-Ergänzung. Periode 4: In der Kürbissamengruppe wurde die Kürbissamen-Ergänzung zusätzlich zur normalen Kost 2 Tage lang weiter konsumiert. Vor der Behandlung und jeweils am 2. Tag der Behandlung (Periode 3/Periode 4) wurde ein 24 Stunden-Harn auf Volumen, pH-Wert, Gehalt an Kalzium, Natrium, Kalium, Kreatinin, Oxalat, Zitrat, Glukosaminglykan (GAG), Pyrophosphat und Kristalle untersucht. Die Gabe der Kürbissamen führte zu einer signifikanten (p<0,01) Verringerung der Bildungshäufigkeit von Kalzium-Oxalat-Kristallen von 83 % (Periode 1) auf 50 % (Periode 4), wobei mit zunehmender Dauer der Kürbissamengabe eine immer stärkere Abnahme einherging. Unter der Orthophosphatgabe verringerte sich die Bildungshäufigkeit von Kalzium-Oxalat-Kristallen von 62,5 % (Periode 1) auf 12,5 % (Periode 3) (p<0,05). Der pH-Wert stieg in der Orthophosphat-Gruppe kontinuierlich an, in der Kürbissamengruppe hingegen war nur ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Der Kalziumgehalt nahm in der Kürbissamengruppe signifikant ab (p<0,05), während in der Orthophosphatgruppe keine statistisch signifikante Veränderung gemessen wurde. Der Phosphatgehalt und die Kaliumwerte erhöhten sich in beiden Gruppen, wobei er bei der Orthophosphat-Gruppe deutlich höher lag (p<0,005). Der Zitratgehalt veränderte sich in der Kürbissamengruppe nicht signifikant, während in der Orthophosphatgruppe ein deutlicher Anstieg verzeichnet wurde (p<0,005). Die Werte für Glucosaminoglykan und Pyrophophat stiegen in beiden Gruppen signifikant an. Harnvolumen, Kreatinin und Oxalatgehalt änderten sich nicht signifikant zwischen den einzelnen Perioden. Der Urin wurde im Verlauf der Zeit in beiden Gruppen immer klarer. Über Nebenwirkungen wurde nicht berichtet [21].



 

References
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