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Griffonia

Griffonia simplicifolia
Fabaceae
Griffonia simplicifolia
Bandeiraea simplicifolia
Seed

Griffonia simplicifolia ist eine afrikanische Pflanze, die auf natürliche Weise das Nervensystem unterstützt. Sie stärkt die psychische Belastbarkeit und verbessert durch eine hohe Konzetrationen von 5–Hydroxy–L–Tryptophan (5–HTP) die Stimmung. 5–HTP, der unmittelbare Vorläufer des neurotransmitters Serotonin, stimuliert die Serotoninsynthese1,2 und wird wegen seiner antidepressiven Wirkung in verschiedenen Präparaten eingesetzt. Die Samen der Griffonia bilden dabei die Hauptquelle des 5–HTP. Ghana ist der wichtigste Lieferant von Griffonia.

1 Van Praag, H.M. and Westenberg, H.G.M., The treatment of depressions with L–5–hydroxytryptophan. In: H.M. Van Praag and J. Mendlewicz (Kds.). Treatment of Depression with Monoamine Precursors. 1980.
2 Carnevale G, Di Viestia V, Zavatti M, Zanoli P. Anxiolytic–like effect of Griffonia simplicifolia Baill. seed extract in rats. Phytomedicine 2011; 18: 848–851

Quelle: Wikipedia

Botanik

Die Afrikanische Schwarzbohne Griffonia simplicifolia ist eine verholzende Schlingpflanze und wächst im Regenwald Westafrikas. Griffonia wird 3–4 m hoch und hat unauffällige grüne Blüten, später bilden sich schotenförmige Früchte. Zur Reife explodieren sie und schleudern dabei die schwarzen Samen in die Umgebung.

Bestandteile

Die chemischen Bestandteile aus den Samen von Griffonia simplicifolia wurden mit chromatographischen Methoden untersucht.1 Neben dem Alkaloid Griffonin enthält die Pflanze auch vier biologisch aktive Lektine: komplexe Proteine oder Glykoproteine, die sich an spezifische Kohlenhydratstrukturen der Zellmembran binden und von dort aus biochemische Reaktionen auslösen.2

Der wichtigste Inhaltsstoff ist jedoch 5–Hydroxytryptophan (5–HTP). Je nach Untersuchung und Extraktionsmethode wurde ein Gehalt von bis zu 20.8% der Aminosäure, bezogen auf das Frischgewicht, in den Samen gefunden. 3,4 5–HTP kann alternativ auch durch mikrobielle Synthese hergestellt werden.5

1 Wang XZ, Wu FH, Qu W, Liang JY. A new ß–carboline alkaloid from the seeds of Griffonia simplicifolia. Chin J Nat Med 2013; 11: 401–405
2 Goldstein, Irwin J., Colleen E. Hayes: The lectins: carbohydrate–binding proteins of plants and animals. Advances in Carbohydrate Chemistry and Biochemistry, 1978 (35),127–340
3 Lemaire PA, Adosraku RK. An HPLC method for the direct assay of the serotonin precursor, 5–Hydroxytrophan, in seeds of Griffonia simplicifolia. Phytochemical Analysis 2002; 13: 333–337
4 Addotey J. Local production of 5–HTP from the seeds of Griffonia simplicifolia [Master–Thesis]. 2009. http://ir.knust.edu.gh/handle/123456789/92
5 Lin Y, Sun X, Yuan Q, Yan Y. Engineering bacterial phenylalanine 4–hydroxylase for microbial synthesis of human neurotransmitter precursor 5–hydroxytryptophan. ACS Synth Bio12014; 3: 497–505

Traditionell

In der traditionellen afrikanischen Medizin wird die gesamte Pflanze genutzt:1 die zerstampfte Rinde bzw. eine Paste aus den Blättern wird topisch auf Wunden aufgebracht. Der Presssaft der Blätter wird bei Augenentzündungen angewendet und ein aus Zweigen und Blättern hergestellter Sud als Abführmittel. Die Hülsenfrucht wird als Insektizid und Futterpflanze, selten als Nahrungsmittel verwendet. Griffonia ist auch als aphrodisierendes Mittel in Gebrauch (das Kauen der Zweige soll eine aphrodisierende Wirkung haben).

1 Berdonces J.L., Griffonia simplicifolia. ZPT – Zeitschrift für Phytotherapie 2015; 36: 85–91

Verwendung

Aus Griffonia isoliertes 5–HTP, als direkter Serotonin–Vorläufer, kann auf natürliche Weise den Serotoninspiegel anheben. 5–HTP erwies sich somit als ein wirksames Antidepressivum bei Patienten mit endogener Depression,1–5 und insbesondere bei Patienten mit einem gestörten zentralen 5–HT Stoffwechsel.1,6,7 Bei gesunden Probanden zeigte 5–HTP (durch intravenösen Tropf verabreicht) einen euphorisierenden Effekt.8,9


1 van Praag H M, Korf J, Dois L C W & Schut T: A pilot study of the predictive value of the probenecid test in application of 5–hydroxytryptophan as antidepressant. Psychopharmacology 25: 14–21, 1972
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5 van Praag H M: Psychotropic drugs. A guide for the practitioner. Brunner and Mazel. New York 1978a
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8 Trimble M, Chadwick D, Reynolds E H & Marsden C D: L–5–Hydroxytryptophan
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9 Pühringer W, Wirz Justice A, Graw P, Lacoste V & Gastpar M: Intravenous L–5–hydroxytryptophan in normal subjects: – interdisciplinary precursor loading study I. Implications of reproducible mood elevation. Pharmakopsychiatr 9: 260–268, 1976.

Dosierung

Untersuchte Dosierungen liegen bei 50 – 100 mg 5-HTP.1–5 Um Schwankungen der Plasmakonzentrationen zu minimieren und den Schweregrad und die Anzahl von Nebenwirkungen zu verringern, wird 5–HTP am besten in zwei bis vier fraktionierten Dosen pro Tag gegeben.

Es wird nicht empfohlen, 5–HTP und Zubereitungen aus Griffonia–simplicifolia in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder zu verwenden.

1 Magnussen I, Van Woert MH. Human pharmacokinetics of longterm 5–hydroxytrypotophan combined with decarboxylase inhibitors. Eur J Clin Pharmacol 1982;23:81–6
2 Magnussen I, Jensen T, Rand JH, et al. Plasma accumulation and metabolism of orally single dose administered L–5–hydroxytryptophan in man. Acta Pharmacol Toxicol 1981; 49: 184–9
3 Magnussen I, Nielson–Nudsk F. Bioavailability and related pharmacokinetics in man of orally administered 5–hydroxytryptophan in steady state. Acta Pharmacol Toxicol 1980; 46: 257–62
4 Magnussen I, Engbaek F. The effects of aromatic amino acid decarboxylase inhibitors on plasma concentrations of 5–hydroxytryptophan in man. Acta Pharmacol Toxicol 1978; 43: 36–42
5 Westenberg HGM, Gerritsen TW, et al. Kinetics of L–5–hydroxytryptophan in healthy subjects. Psychiatry Res 1982;7:373–85

Sicherheit

Es wurden relativ wenige Nebenwirkungen in Zusammenhang mit der Verwendung von 5–HTP in der Behandlung von depressiven Patienten beobachtet. Während der Verabreichung scheinen Magen–Darm–Symptome, wie Bauchkrämpfe, Übelkeit, Sodbrennen, Blähungen, Völlegefühl, Magenknurren oder Durchfall die häufigsten Nebenwirkungen zu sein. Die meisten Patienten tolerieren diese Effekte, und im Allgemeinen Magen–Darm–Probleme verringern sich oder verschwinden, sobald eine feste Dosis erreicht wird.

Wechselwirkungen mit Antidepressiva1

Antidepressiva, die zu Wechselwirkung mit 5–HTP führen und daher nicht gleichzeitig mit Griffonia eingenommen werden sollten, sind:
-    Serotonin–Wiederaufnahmehemmer, SSRI (Citalopram, Escitalopram, Fluvoxamin, Paroxetin, Fluoxetin, Sertralin)
-    Trizyklika (Amitryptilin, Nortryptilin, Imipramin)
-    MAO–Hemmer (Phenelzin, Tranylcypromin)
-    Nefazodon

1 Berdonces J.L., Griffonia simplicifolia. ZPT – Zeitschrift für Phytotherapie 2015;36:85–91

Pharmakologie

Wegen der hohen Konzentration von 5–Hydroxytryptophan kann G. simplicifolja den Serotoninspiegel erhöhen, was zu besserer Stimmung, ruhigerem Schlaf und einer Reduktion des Appetites führt. Tryptophan und 5–HTP können beide die Blut–Hirn–Schranke überwinden,1,2 deshalb sind sie gute Kandidaten zur Therapie eines Serotoninmangels. Allerdings ist die enzymatische Umwandlung von Tryptophan zu 5–HTP gering (3%), sodass die Gabe von 5–HTP am sinnvollsten ist.1,3 5–HTP wirkt im Zentralnervensystem (ZNS) und steigert die Serotonin–Produktion.4,5 Die intestinale Absorption von 5–HTP benötigt kein Transportmolekül.6 Es wird durch bestehende Aminosäuren nicht beeinflusst. In der Konsequenz kann es mit den Mahlzeiten eingenommen werden, ohne Beschränkung der Wirksamkeit von 5–HTP. Es wird bei oraler Aufnahme gut absorbiert und gelangt zu 70% in den Blutkreislauf. 5–HTP wird durch aromatische L–Aminosäure–Decarboxylase oder 5–HTP–Decarboxylase schnell in Serotonin umgewandelt.7 L–aromatische Aminosäure–Decarboxylase ist ein ubiquitäres Enzym, und seine Aktivität ist besonders hoch in der Magenschleimhaut, Dünndarm, Leber und Nieren.8 Die Aktivität und die Verteilung der 5–HTP–Decarboxylase ist weniger erforscht, aber sie ist im Gehirn hauptsächlich in serotonergen Neuronen lokalisiert.7,8 Abbauprodukt ist 5–Hydroxyindolessigsäure, die im Urin gemessen werden kann.

 

Abb 1. : Syntheseweg von Serotonin

 

 

5–HTP kommt in Nahrungsmitteln nicht oder nur in Spuren vor (Ausnahme: Bananen). Die Aminosäure Tryptophan, die der Körper zur Herstellung von 5–HTP benötigt, ist in Truthahn, Huhn, Milch, Kartoffeln, Kürbis, Sonnenblumensamen, Rüben, Kohlblättern sowie Seetang enthalten.

1 Byerley WF, Judd LL. Reimherr FW, Grosser BI. 5–Hydroxytryptophan: a review of ist antidepressant efficacy and adverse effects. J Clin Psychopharmacol 1987; 7: 127–137
2 Shaw K, Turner J, Dei Mar C. Tryptophan and 5–hydroxytryptophan for depression. Cochrane Database Syst Rev 2002; (1): CD003198
3 Berdonces J.L., Griffonia simplicifolia. ZPT – Zeitschrift für Phytotherapie 2015; 36: 85–91
4 Korf J, Venema K, Postema F. Decarboxylation of exogenous L–5–hydroxytryptophan after destruction of cerebral raphe system. J Neurochem 1974; 23(1):249–52
5 Van Praag HM, Flentge F, Korf J, et al. The influence of probenecid on the metabolism of serotonin, dopamine and their precursors in man. Psychopharmacologia (Berlin) 1973;33: 141–51.
6 Timothy C. Birdsall, N.D. 5–Hydroxytryptophan: A Clinically–Effective Serotonin Precursor. Altern Med Rev 1998;3(4):271–280
7 Cooper JR, Bloom FE, Roth RH. The biochemical basis of neuropharmacology, 4th ed. New York: Oxford University Press, 1982
8 Porter CC. Inhibitors of aromatic amino decarboxylase: their biochemistry. In: Yahr MD, ed. Advances in neurology. New York: Raven Press, 1973:37–58

Klinische Studien

Depressionen

Es wurde gezeigt, dass L–5–Hydroxytryptophan (L–5–HTP), wie es in größeren Mengen in Griffonia enthalten ist, eine Verbesserung des Zustandsbildes bei Depressionen bringt.

Die erste große klinische Studie mit 5–HTP bezüglich Depressionen wurde im Jahr 1972 durchgeführt.1 In diesem offenen Studiendesign nahmen insgesamt 107 Patienten mit endogener unipolaren oder bipolaren Depression teil und erhielten täglich orale Dosen von 5–HTP von 50 bis 300 mg. Eine signifikante Verbesserung wurde bei 74 der Patienten (69%) beobachtet, und es werden keine schweren Nebenwirkungen berichtet. Das Ansprechrate bei den meisten dieser Patienten war recht schnell (weniger als zwei Wochen).

Eine randomisierte Doppelblind–Studie wurde durchgeführt, um die Rolle von L–5–HTP als Antidepressivum bei indischen Patienten mit einer ersten depressiven Episode zu bewerten.2 Es wurde festgestellt, dass L–5–HTP auf jeden Fall antidepressive Wirkung hat. Diese wurde innerhalb von 2 Wochen nach der Behandlung gesehen und war in allen Graden der Depression deutlich.

In einer offenen Studie3 wurden 25 Patienten mit Depressionen mit L–5–Hydroxytryptophan (L–5–HTP) behandelt, entweder allein oder in Kombination mit einem peripheren Decarboxylaseinhibitor. Die therapeutische Wirksamkeit von L–5–HTP wurde als gleich derjenigen von herkömmlichen Antidepressiva eingeschätzt. Der Wirkungseintritt war schnell (3 bis 5 Tage). Magen–Darm–Nebenwirkungen waren die wichtigsten unerwünschten Wirkungen und erwiesen sich dosisabhängig.

Die Wirksamkeit von 5–Hydroxy–L–Tryptophan als Antidepressivum wurde auch an 59 Patienten mit depressiven Symptomen in Japan untersucht.4 Eine tägliche Dosis von 150–300 mg 5–Hydroxy–L–tryptophan wurde für drei Wochen verabreicht. Vorteilhafte Reaktionen wurden bei 40 Patienten (67.8%) beobachtet, von denen bei 13 Patienten eine deutliche Verbesserung trat auf. Von diesen 40 Patienten, zeigten 20 (50%) eine Verbesserung innerhalb von drei Tagen, 32 Patienten (80%) innerhalb von zwei wochen. Die wichtigsten Nebenwirkungen von 5–HTP waren Magen–Darm–Störungen, die durch die gleichzeitige Gabe von Metoclopramid oder Trihexyphenidyl minimiert wurden.

Japanische Forscher verabreichten 24 Patienten, die wegen Depressionen hospitalisiert waren,  5–HTP.5 Nach zwei Wochen der Behandlung wurde eine Verbesserung der depressiven Symptome bei sieben Patienten mit unipolaren Depression beobachtet. Die Verabreichung von 5–HTP war auch mit einem 30–prozentigen Anstieg der Konzentration von 5–Hydroxyindolessigsäure, des primären Metabolit von Serotonin, in der Patienten–Zerebrospinalflüssigkeit verbunden. Dies legte nahe, dass das exogene 5–HTP im ZNS in Serotonin umgewandelt wurde.

In einer Arbeit wurde Lithium– mit 5–Hydroxytryptophantherapie  verglichen. 5–HTP reduziert die Rezidivrate in wiederkehrenden Depressionen, sowohl mit einem unipolaren als auch mit einem bipolaren Verlauf. Dieser Effekt scheint besonders ausgeprägt zu sein bei Patienten mit persistierenden Erkrankungen des zentralen 5–Hydroxytryptamin (5–HT) Stoffwechsels.Die Auswertung legte nahe, dass im Vergleich zu einer Lithiumtherapie 5–HTP bei Patienten mit unipolarer Depression die gleiche Wirksamkeit aufwies, jedoch bei Patienten mit bipolarer Depression einer Lithiumtherapie unterlegen war.6

Leider ist die Depression eine häufige Nebenwirkung von Interferon–alpha (IFN) Therapie, die etwa ein Drittel der mit IFN–Therapie behandelten HCV–Patienten betrifft. Serotonin–Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind bei  IFN–induzierten Depressionen in nur 63 bis 75% der Fälle wirksam, da sie nur die (Wieder–) Aufnahme beeinflussen. Für den verbleibende Prozentsatz, erfordert die Depression häufig eine Dosisreduktion oder ein Absetzen der IFN–Therapie. 5–Hydroxytryptophan erhöht effektiv die Synthese von Serotonin im ZNS, da es der  unmittelbare Vorläufer von .7,8

Die vorhandene Literatur zeigt darüber hinaus, dass 5–HTP Placebo überlegen ist.9,10
 
Angst, Panikstörung

Die Wirkung von G. simplicifolia Samenextrakt auf das Angstverhalten wurde bei Ratten untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass der Extrakt eine angstlösende Wirkung bei Ratten ausübt und lassen seine potentielle Nützlichkeit für die Behandlung von Angst bei Menschen vermuten.11 In einer offenen unkontrollierten Studie wurden 10 Patienten mit Angststörungen erfolgreich mit 5–HTP (150–200 mg/Tag) und 150 mg Carbidopa (beide als drei Tagesdosen) für 12 Wochen behandelt.12 Panikattacken verschwanden fast vollständig, und generalisierte Angst wurde deutlich reduziert. Dieser Studie folgte  ein 8 wöchiges Placebo–kontrolliertes Design, das die Wirkungen von 5–HTP (150 mg/Tag) mit Carbidopa (150 mg/Tag) vs. Clomipramin (150 mg/Tag) an 45 Patienten mit Angststörungen verglich.13 Sowohl Clomipramin, als auch L–5–HTP reduzierten signifikant die Anzahl der Panikattacken und das Niveau der Angst im Vergleich zu Placebo. Während Clomipramin Symptome von Depressionen, Angstzuständen und Panikattacken verringerte, schien die Wirkung von L–5–HTP vor allem auf Angst– und Panik–Symptomen beschränkt zu sein. Die Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass im Gehirn serotonerge Wege in der Pathogenese von Angststörungen, insbesondere bei Agoraphobie und Panikstörungen beteiligt sind.

Die Verabreichung von L–5–Hydroxytryptophan könnte positive Auswirkungen auf nächtliche Angstzustände ausüben. Daher wurde eine offene pharmakologische Studie mit L-5-HTP bei einer Gruppe von Kindern mit Schlafproblemen im Vergleich zu einer Gruppe ohne L–5–HTP–Behandlung durchgeführt.14 45 Kinder (34 Jungen und 11 Mädchen; Altersbereich zwischen 3.2 und 10.6 J.) erhielten randomisiert 2 mg/kg 5–HTP/Tag über einen Zeitraum von 21 Tagen. Die Kinder in der Kontrollgruppe (14) blieben unbehandelt. Nach einem Monat konnte bei 93 % der Kinder eine positive Reaktion festgestellt werden, während dies in der Kontrollgruppe nur bei 28 % der Fall war. Nach 6 Monaten traten bei 26 Kindern in der Behandlungsgruppe keine Albträume mehr auf  - in der Kontrollgruppe lediglich bei 4 Kindern. Diese Studie zeigte die Wirksamkeit  bei nächtlichen Angstzuständen. Die Ergebnisse bestätigen die Ausgangshypothese und liefern Beweise dafür, dass die Behandlung mit 5–HTP in der Lage ist, das Erregungsniveau bei Kindern zu modulieren und eine langfristige Verbesserung der Schlaf–Angst zu induzieren.

In einer weiteren, placebokontrollierten Studie wurde die akute Wirkung von 5–HTP auf durch Cholecystokinin–Tetrapeptid (CCK–4) hervorgerufene Panikattacken bei gesunden Probanden untersucht.15 Zweiunddreißig Patienten wurden randomisiert und erhielten entweder 200 mg 5–HTP oder ein Placebo. Die Studie folgte 90 min nach der Einnahme von CCK-4 und war ein doppelblindes Parallelgruppen–Design. Die Ergebnisse zeigten einen nicht signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen in der Panik Rate (19% nach 5–HTP und 44% nach Placebo) mit einem Trend zu geringeren Intensität der Symptome nach 5–HTP. Weitere Analyse nach Geschlecht ergab, dass das Ergebnis bei den weiblichen Teilnehmern besser als bei den männlichen war. Daher kann eine erhöhte Verfügbarkeit von 5–HT eine geschlechtsabhängige Schutzwirkung in CCK–4–induzierter Panik haben. Zuvor waren andere Autoren hinsichtlich der Wirksamkeit von 5–HTP bei verschiedenen Arten von Paniksymptomen zu signifikanten Ergebnissen gekommen, allerdings nur bei Patienten mit Panikstörungen, aber nicht bei gesunden Probanden.16

Liebeskummer

Da sowohl Neurotrophine als auch Serotonin in Verbindung mit menschlicher Liebesbeziehung gebracht worden sind, wurde eine Untersuchung durchgeführt, um die Veränderungen beim Wachstumsfaktor BDNF und beim Serotoningehalt von Blutplättchen in Zusammenhang mit Liebeskummer zu untersuchen.17 Eine offene Pilot–Studie wurde entworfen, um die klinische Wirksamkeit von L–5–Hydroxytryptophan in nicht depressiven jungen Probanden mit hohem Beziehungsstress (die vor Kurzem entweder eine Trennung erlebten oder Beziehungsprobleme hatten) zu beurteilen. Insgesamt 15 gesunde Probanden (11 Frauen und 4 Männer, Durchschnittsalter: 23.3±2.1 J.) wurden für 6 Wochen mit G. simplicifolia Extrakt (mit 12,8 mg 5– HTP b.i.d.) behandelt. Die Probanden wurden zu Beginn der Studie, nach 3 Wochen und am Ende der 6–wöchigen Studie bewertet. BDNF– und Thrombozytenserotoningehalt wurden zu Studienbeginn, nach 3 und 6 Wochen bestimmt. Eine deutliche Verbesserung beim Beziehungsstress trat in den Wochen 0 bis 3 auf, aber zwischen der dritten und sechsten Woche war keine weitere signifikante Verbesserung evident. Nach 6 Wochen zeigten die Probanden eine deutliche Steigerung der BDNF und Thrombozyten Serotonin–Werte gegenüber dem Ausgangswert. Die Probanden reagierten also gut auf L–5–Hydroxytryptophan Supplementierung. Die Studie zeigte auch, dass Patienten mit Beziehungsstress Änderungen in der serotonergen Funktion zeigen und dass eine Supplementierung mit L–5–Hydroxytryptophan diese biochemischen Veränderungen rückgängig macht. Die Daten legen nahe, dass die direkte Modulation der serotonergen Systems möglicherweise für die Behandlung von psychischen Leiden, die mit unerwiderter Liebe und Liebeskummer verbunden sind, verwendet werden könnte.

Schlaflosigkeit

5–HTP hat Nutzen bei der Behandlung von Schlaflosigkeit gezeigt, vor allem in der Verbesserung der Schlafqualität durch Erhöhung des REM–Schlafes.18–20 Acht gesunde Probanden wurden überwacht, um die Wirkung von 5–HTP auf den Rapid Eye Movement (REM) Schlaf zu bestimmen. Eine Gesamtzahl von 600 mg 5–HTP wurde den Probanden in der folgenden Art und Weise verabreicht: 200 mg um 21:15 Uhr, gefolgt von 400 mg um 23:15 Uhr. Eine signifikante Zunahme in der Menge an REM–Schlaf wurde beobachtet, während die Versuchspersonen 5–HTP nahmen.

Eine kleinere Studie20 mit einer 200 mg Dosis zeigte Erhöhungen des REM–Schlaf, aber in einem geringeren Ausmaß. Die kleinere Dosis wird wahrscheinlich bevorzugt, da gemäß anekdotischen Berichten höhere Dosen eine Tendenz haben, sehr lebhafte Träume oder Albträume zu verursachen.

Fibromyalgie

Das Primäre Fibromyalgie–Syndrom ist durch allgemeine Muskel–Skelett–Schmerzen, mehrere druckempfindliche Punkte, Müdigkeit, morgendliche Steifheit, und Schlafstörungen gekennzeichnet. Fibromyalgie–Patienten scheinen niedrige Serotonin– 21,22 und Tryptophanspiegel23,24 zu haben. 5–HTP könnte nützlich bei der Behandlung von Fibromyalgie sein. Drei klinische Studien haben signifikante Verbesserungen der Symptome, wie Schmerzen, morgendliche Steifheit, Angst und Müdigkeit demonstriert.25–27

In einer randomisierten, placebo–kontrollierten Studie mit 200 Fibromyalgie–Patienten, die auch unter Migräne litten, wurde 5–HTP (400 mg/Tag) mit einem trizyklischen Antidepressivum (Amitriptylin), einen Monoaminoxidase–Hemmer (MAO–Hemmer) und einem weiteren Arzneimittel (Pargylin oder Phenelzin) verglichen. Die Patienten wurden für insgesamt 12 Monate lang behandelt und erstellten mittels einer visuellen Analogskala ein tägliches Schmerztagebuch. Am Ende des zwölfmonatigen Testzeitraum zeigten alle Behandlungsmethoden signifikante Verbesserung gegenüber Placebo (p <0.0001). 5–HTP allein war so wirksam, wie die trizyklischen Drogen oder MAO–Hemmer. Keiner der Patienten brach die Studie aufgrund von Nebenwirkungen ab; acht Prozent der Patienten, die 5–HTP allein einnahmen, berichteten ein gewisses Maß an Magenverstimmung.25

In einer Studie wurden insgesamt 50 Patienten mit primärem Fibromyalgie–Syndrom 100 mg 5–HTP dreimal täglich für 90 Tage gegeben. Die Patienten wurden zu Beginn der Studie und nach 15, 30, 60 und 90 Tagen der Behandlung beurteilt. Die klinischen Variablen, die bewertet wurden, enthalten: Gesamtzahl der empfindlichen Punkte, Schmerzintensität, Schlafqualität, morgendliche Steifheit, Angst und Müdigkeit. Alle diese Maßnahmen zeigten eine signifikante Verbesserung in der gesamten Dauer der Studie (p <0.001). Eine Gesamtzahl von 15 Patienten (30%) berichteten Nebenwirkungen von 5–HTP, aber nur in einem Fall waren sie stark genug, dass der Patient von der Studie abgezogen wurde.26

In einer doppelblinden, placebo–kontrollierten Studie nahmen 50 Fibromyalgie–Patienten dreimal täglich über einen Zeitraum von 30 Tagen 100 mg 5–HTP ein. Signifikante Verbesserungen waren in der Anzahl der empfindlichen Punkte (p<0.001), der subjektiven Schmerzintensität (p<0.001), Morgensteifigkeit (p=0.017), Schlafstörungen (p<0.001), Angst (p<0.001) und Müdigkeit (p=0.003) zu sehen. Die Häufigkeit von Nebenwirkungen in der 5–HTP–Gruppe war gering (6/25 Patienten) und keine signifikanten Laborwertveränderungen wurden während der Studie berichtet.27

Chronische Kopfschmerzen / Migräne

Chronische Kopfschmerzen, insbesonders Migräne, werden von einigen Forschern als das Ergebnis der niedrigen Serotoninspiegel, wahrscheinlich als Folge des erhöhten Abbau von Serotonin durch das Enzym Monoaminoxidase, betrachtet.28,29

5–HTP wurde erfolgreich bei der Vorbeugung von chronischen Kopfschmerzarten, einschließlich Migräne und Spannungskopfschmerzen verwendet.25,30–35 In einer großen Studie mit 124 Probanden wurde 5–HTP mit Methysergid verglichen, welches das am häufigsten verwendetes Migränemittel ist. Bei einer Dosierung von 600 mg pro Tag für sechs Monate, verhinderte 5–HTP vollständig oder verringerte wesentlich die Anzahl der Migräneattacken bei 75 Prozent der Probanden. Jedoch war dieser Unterschied nicht statistisch signifikant.32 In einer Studie an 48 Grund– und Mittelschülern, erzeugte 5–HTP (4.5 mg/kg/Tag) eine 70–prozentige Verringerung der Kopfschmerzhäufigkeit, im Vergleich zu einer 11%–Rückgang in der Placebo–Gruppe.31

In einer 8 Wochen dauernden, doppelblinden, placebo kontrollierten Studie mit 65 auswertbaren Probanden, die unter chronischen Spannungskopfschmerz erlitten und die 5–HTP (3x100 mg/d) einnahmen, konnte zwar keine Verringerung des Schmerzen oder der Anzahl der Kopfschmerzattacken festgestellt werden, es wurden jedoch weniger Analgetika eingenommen.36

Adipositas

Der Körper belohnt Essen mit der Ausschüttung von Glückshormonen. Viele dicke Menschen haben damit leidvolle Erfahrungen gemacht. Während der Diät sinken Serum Tryptophan Niveaus und ZNS Serotoninspiegel drastisch.37–39 Diese niedrigen Serotoninspiegel bei übergewichtigen Patienten wurden mit Verlangen nach Kohlehydraten und resultierenden Essattacken in Verbindung gebracht. Es wurde vermutet, dass 5–HTP bei Verhinderung dieses diät–assoziierten Rückganges des Serotonin und somit bei einer Verbesserung der Gewichtsabnahme helfen kann.

Unter Verwendung eines placebo–kontrollierten Doppelblindprotokolls untersuchten Wissenschaftler die Wirkungen von 5–HTP (300 mg dreimal täglich) auf Essgewohnheiten und Gewichtsverlust von 20 fettleibigen Patientinnen.40 Alle Frauen hatten einen Body Mass Index (BMI) zwischen 30 und 40 und hatten vor, auch weiterhin täglich einen Überschuss an Nahrung konsumieren (basierend auf berechneten Energiebedarf). Während der ersten sechs Wochen nahmen die Patienten entweder 5–HTP oder ein Placebo, aber keine Diätvorschriften wurden an sie gestellt. Im zweiten Zeitraum der nächsten sechs Wochen wurden die Patienten auf eine 1200 Kalorien/Tag Diät gesetzt, während sie weiterhin entweder 5–HTP oder ein Placebo nahmen. Die Personen stellten detaillierte 3–Tage–Nahrungsmitteltagebücher einmal alle zwei Wochen zusammen. Die in der Placebo–Gruppe hatten keinen erheblichen Gewichtsverlust in einer der beiden Perioden (94.3 ± 5.6 kg vs. 93.2 ± 5.3 kg), während die Probanden in der 5–HTP–Gruppe eine signifikante Gewichtsverlust sowohl in der ersten Periode (99.7 ± 5.9 kg vs. 98.0 ± 5.0 kg, p <0,03) als auch der zweiten Periode (98.0 ± 5.0 vs. 94.7 ± 5.1 kg, p <0,02) zeigten. Die Placebo–Gruppe hat auch keine signifikante Änderung in ihrer Kalorienaufnahme gezeigt, auch in der zweiten Periode, selbst wenn sie angewiesen wurde, die Nahrungsaufnahme zu reduzieren. Die 5–HTP–Gruppe hatte eine signifikante spontane Nahrungsaufnahme–Reduktion während der ersten Periode, von 3220 Kalorien/Tag bis 1879 Kalorien/Tag (p <0,001), mit einer Kohlenhydrat–Aufnahme-Reduktion um 50 Prozent. Während der zweiten Periode, verringerte sich die Kalorienaufnahme der 5–HTP–Gruppe weiter auf 1.268 Kalorien/Tag (p<0,01), mit einer weiteren Senkung der Kohlenhydrate. Die Forscher interpretieren diese Ergebnisse als Unterstützung der Theorie, dass 5–HTP das Verlangen nach Kohlehydraten und somit Essattacken verringert, auch in Abwesenheit einer strukturierten Ernährung. Bei dieser hohen Dosierung von 5–HTP (900 mg/Tag), berichteten ca. 80 Prozent der Probanden am Anfang von einer gewissen Übelkeit. Jedoch war diese Nebenwirkung nicht stark genug, um aus der Studie herauszufallen und war weniger häufig während des zweiten Zeitraums von sechs Wochen, was darauf hindeutet, dass dieses Symptom nur ein vorübergehender Nebeneffekt von 5–HTP ist.


1 Sano I. L–5–hydroxytryptophan (L–5–HTP) therapy. Folia Psychiatr Neurol Jpn 1972;26:7–17
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