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Harpagophytum procumbens: Screening-Projekt für qualitativ hochwertiges Pflanzenmaterial

Georges Betti und Mathias Schmidt

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Die südafrikanische “Teufelskralle” trägt den wissenschaftlich-botanischen NamenHarpagophytum procumbens De Candolle. Die Wurzeln dieser Pflanze werden traditionell gegen Gelenkbeschwerden eingesetzt. Dieser Einsatz wird durch eine Monographie des „Herbal Medicinal Product Committee“ (HMPC, Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel) der europäischen Arzneimittelbehörde gestützt. Die Qualität der Teufelskrallenwurzeln wird durch eine Monographie des Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur.) definiert. Diese Monographie fordert als Qualitätsmarker einen Mindestgehalt von 1,2% Harpagosid.

Beide Monographien, sowohl die des HMPC als auch die Arzneibuchmonographie, gestatten die Verwendung einer zweiten Pflanzenart der gleichen Gattung: Harpagophytum zeyheri Decaisne. Die Möglichkeit zur Verwendung dieser Ersatzart scheint jedoch mehr durch wirtschaftliche Realitäten als durch eine echte Austauschbarkeit der Arten begründet. Es gibt wenig Evidenz, die belegen würde, dass beide Arten für die medizinische Verwendung gleichwertig sind. Bietet man dem Stamm der Ovahimba im Nordwesten Namibias die Wahl zwischen den beiden Wurzeln – die, vor allem im trockenen Zustand – praktisch nicht zu unterscheiden sind –, fällt die Wahl stets auf H. procumbens, während H. zeyheri abgelehnt wird (persönliche Beobachtung von G. Betti). Es sind auch deutliche Unterschiede im Harpagosidgehalt festzustellen: H. zeyheri hat wesentlich niedrigere Gehalte als H. procumbens, in einem Ausmaß, dass das geforderte Minimum von 1,2% ohne Mischen von Wurzeln der beiden Arten nur schwer zu erreichen ist.

Nach unseren Beobachtungen gibt es keine nennenswerten Zwischenformen oder Hybride auf den Wachstumsstandorten. Die Habitate vonHarpagophytum procumbens befinden sich deutlich südlich des Etosha-Nationalparks in Namibia, bis ganz hinunter in die Republik Südafrika. Bei unserer Feldarbeit fanden wir ansteigende Harpagosidgehalte von Nord nach Süd und von West nach Ost, die dann wieder in Richtung der Südspitze Namibias und der Republik Südafrika abnahmen. Diese Eigenschaft scheint genetisch determiniert zu sein: Pflanzenmaterial, das von einem Standort mit Wurzeln mit besonders hohem Harpagosidgehalt gesammelt wurde, veränderte nicht die Rate der Harpagosidbildung, wenn die Pflanzen durch vegetative Vermehrung in anderen Zonen ausgepflanzt wurden.

Die Ergebnisse unseres Feldprojektes in Namibia und angrenzenden Ländern gestattete uns die Entwicklung einer Methode für den kontrollierten Anbau von qualitativ hochwertigem Harpagophytum procumbens in Namibia (Schmidt M et al., 1998).

Schmidt M, Eich J, Kreimeyer J & Betti G. 1998. Anbau der Teufelskralle. Ein Projekt in Namibia zur Sicherung der pharmazeutischen Qualität. Dtsch. Apotheker Ztg. 138, 4540-4549.

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